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Storypreview:

Ich war einsam. Ich konnte Dinge sehen, die ich nicht sehen wollte. Niemand wollte etwas von mir wissen. Oft saß ich an der Klippe vor dem Haus meines Vaters. Hier holte mich die Wahrheit immer wieder ein. Und ich konnte nichts dagegen tun.

„Ich kann es sehen. Dunkle Wolken ziehen auf. Die Welt liegt in Trümmern vor mir. Menschen sterben, Pflanzen vergehen. Alles Hirngespinste. Das bilde ich mir nur ein! Das ist ein Albtraum! Lasst mich gehen, ich will das nicht wissen!“

„Glaubst du, du hast die Wahl?“, fragte eine leise Stimme hinter mir.
„Ich hatte nie die Wahl! Niemand hat sie“, sagte ich verbittert über meine Schulter hinweg.
„Woher willst du das wissen? Hast du es denn jemals versucht?“
Zornig stand ich auf. Vor mir lag die tiefe Klippe. Ich überlegte, ob ich springen sollte.
„Jahrelang hast du mir erzählt, ich hätte darauf keinen Einfluss. Und jetzt willst du mir das Gegenteil beweisen?“
„Willst du wirklich, dass das passiert? Hat diese Welt den Tod verdient?“, fragte mein Vater. Er klang traurig.
Ich drehte mich zu ihm um, seine Augen waren eiskalt.
„Seit Mutters Tod warte ich auf diesen Tag. Dann habe ich endlich Ruhe, dann gibt es kein Leid mehr.“ Meines Vaters Blick richtete sich auf einen unbestimmten Punkt am Horizont. Er hatte eine Träne im Auge.
„Ich habe zu viele Menschen sterben sehen. Und die hatten keine Wahl!“, schrie ich ihn an.
Mein Vater sah mir ins Gesicht: „Du kannst uns nicht sterben lassen! Dazu hast du nicht das Recht.“
„Niemand hat irgendein Recht. Wir haben nur eine Pflicht: das Schicksal über uns ergehen zu lassen. Das hast du mir beigebracht!“
Mein Vater schluchzte und hielt sich die Hände vors Gesicht. Tränen liefen an seinem Gesicht herab. „Doch, wir haben eine Wahl!“
Ich ballte meine Faust: „Dann, verdammt noch mal, lass mich selbst entscheiden!“
Ein Blitz schlug in der Nähe ein. Fast zeitgleich brach mein Vater zusammen.

Ich weiß nicht mehr genau wie, aber ich schaffte es, ihn in unser Haus zu tragen. Da ich ihn nicht die Treppen hinauftragen konnte, setzte ich ihn auf einen Stuhl.
„Willst du die ganze Menschheit sterben lassen?“, flüsterte er. Ich wandte meinen Blick von ihm ab. „Nein Vater, nur einen Menschen. Und zwar den, der mich jahrelang im Glauben gelassen hat, ich wäre nur ein Tintenklecks auf dem langen Schriftstück der Geschichte.“
„Was willst du jetzt tun?“, fragte er leise.
„Ich werde versuchen, die Wahrheit zu erkennen.“
„Welche Wahrheit?!“, brüllte er. Soviel Kraft hatte ich ihm nach seinem Zusammenbruch gar nicht zugetraut.
Langsam ging ich zur Treppe. „Ich werde auf Reisen gehen. Vielleicht kann ich mich dann besser verstehen. Vielleicht weiß ich dann, warum ich so handle.“

Ich reiste die ganze Nacht lang. In einem mir unbekannten Wald traf ich auf ein unvorsichtiges Reh. Nach einer gegenseitigen Bekanntmachung in Form eines Schwertstreiches meinerseits, erklärte es sich dazu bereit, mir als Abendessen Gesellschaft zu leisten.

Am nächsten Morgen kam ich an einem Kloster an, dem St. Petrus. Man gewährte mir freundlich Einlaß. Ich erklärte dem Leiter, einem gewissen Bruder Pandorus, den Grund meines Kommens. Ich erzählte ihm, ich wäre auf einer Studienreise. Am selben Abend lud er mich zu einem bekömmlichen Abendessen ein.
Er fragte mich nach dem wirklichen Grund für mein Kommen.
„Eure Augen haben ein merkwürdiges Funkeln. Mir scheint, ihr habt unendliches Leid ertragen müssen. Warum seit ihr wirklich hier?“
„Ich… Ich habe Visionen.“
„Viele Menschen haben Visionen. Wir nennen sie die Erleuchteten. Eine gottgegebene Gabe. Und diese ist wahrlich keine leichte Last.“
„Nein, ich kann nicht die Götter oder das ewige Glück sehen. Ich sehe den Tod.“
„Hm. Und was seht ihr genau?“
„Leere Straßen. Ausgerissene Bäume. Keine Menschen oder Tiere. Alles ist still.“ Ich holte kurz Luft. „Bitte, ich… ich möchte nicht mehr sagen“
„Ich verstehe. Es gab mal einen ähnlichen Fall. Kommt mal mit.“

Er führte mich in die alte Bibliothek, in den hintersten Korridor, den verstaubtesten Winkel dieser Kammer des Wissens. Mit seiner Hand fuhr er über die verstaubten Bücher im Regal. Nach einiger Zeit fand er, wonach er suchte. Es war ein uraltes Buch, wahrscheinlich schon an die 500 Jahre alt. Wir setzten uns an einen der hier aufstellten Tische. Pandorus blätterte unruhig hindurch.

„Ah, hier ist es ja.“

Seine Augen waren erstaunt.
„Was steht darin geschrieben?“ Er sah mich an.
„Wenn wahr ist, was ihr mir erzählt, so stehen wir an der Schwelle zu unserem Untergang. Seid ihr euch sicher, dass dies keine einfachen Albträume sind?“
Ich war mit der Antwort nicht sicher. Schließlich nickte ich. Pandorus blickte sich kurz um. Dann begann er zu flüstern: „Die Wände hier haben Ohren. Wir sollten woanders weiterreden.“ Erneut blickte er sich um.
„Der Weinkeller. Dorthin gehen nur Wenige. Und um diese Zeit ist es uns sowieso nicht gegönnt, von diesem Getränk zu kosten.“ Pandorus stand auf und verließ langsamen Schrittes die Bibliothek.
Ich wartete einige Zeit bis seine Schritte auf dem Flur verstummten und die Tür zugefallen war. Schließlich stand ich auf. Ich ging die vielen Gänge hindurch aus der Bibliothek heraus. Einige Nonnen kamen mir entgegen. Meine Schritte führten mich zum Ende des langen Flurs.
Eine kleine Tür mit der Schild „Weinkammer“ war hier in die Mauer gefertigt worden. Ich sah mich noch einmal um. Niemand war zu sehen. Schließlich drückte ich die Türklinke, trat ein und schloss die Tür wieder hinter mir.
„Hier drüben“, hörte ich eine vertraute leise Stimme. Langsam tastete ich mich an den vielen Weinfässern vorbei. Pandorus stand an einer kleinen Treppe, die in den Keller führte, in seiner rechten Hand hielt er eine Fackel. Er führte mich langsam die Treppe hinab.
Der Keller war fast gänzlich leer, nur ein kleiner Tisch mit einigen Krügen darauf und ein kleines Regal mit Weinflaschen, wahrscheinlich leer, standen hier unten.
Pandorus hängte die Fackel an eine Halterung nahe dem Tisch. Ich hatte mich bereits gesetzt, als er das Buch auf den Tisch legte, aufschlug und anfing leise vorzulesen.

„Es begab sich, dass im Jahr 89 unserer Zeitrechnung ein Kind geboren wurde.“ Plötzlich verformte sich die Umgebung um mich herum. Ich sah ein altes Bauernhaus, Schrei konnte ich vernehmen. Es waren keine angsterfüllten, es waren glückliche Schreie. Von Fern drang Pandorus Stimme an mein Ohr: „Der Name dieses Jünglings war Arel.“ Ich ging auf das Bauernhaus zu. Mein Gang war sehr langsam, um mich herum ging die Sonne mehrere Male auf und wieder unter, vielleicht waren es Tage, vielleicht sogar Monate. Ich ging an eines der Fenster und blickte ins Haus.
„Arel war das 5. Kind dieser Familie. Er hatte 3 Schwestern, Melissa, Mila und Marie, und einen Bruder namens Milton. Die folgenden Jahre verliefen glücklich, und Arel wuchs zu einem kräftigen und wissbegierigen jungen Mann heran“, hörte ich Pandorus’ Stimme erzählen. Achtmal kehrte der Frühling wieder und achtmal zog der Winter an meinem Auge vorbei.
„Wenige Tage nach seinem 16. Geburtstag geschah es.“
Das Haus verformte sich zu einem steilen Hang, die Felder wurden zu einem tiefen Wald. Ich blickte den Hang hinauf. Das Geräusch knirschender Steine drang an mein Ohr. Arel ging oben vorbei, rutschte aus und fiel den Hang hinab. „Lange Zeit lag er bewusstlos dar. Er hatte sich eine Kopfverletzung zugezogen.“
Ich sah wieder den alten Keller des Klosters vor mir.

„Was hat diese Geschichte mit mir zu tun? Schließlich passierte das vor 1000 Jahren, oder?“
„Er konnte sehen“, war Pandorus Antwort. „Sehen“, wiederholte ich, „was ist daran so besonders?“ Pandorus blickte sich in dem nun schwach erleuchteten Keller um. „Er konnte die Wahrheit sehen. Arel konnte sehen, was ihr ebenfalls wahrgenommen habt.“
„Und was geschah dann?“
„Arel empfand diese Gabe nicht als Qual, er trug sie offen zur Schau, erzählte allen davon, schürte Gerüchte, er würde das Ende der Welt sehen.“ Er holte tief Luft.
„Über die Jahre hinweg sammelte er Anhänger um sich, die seinen Visionen vertrauten. Sie wollten verhindern, dass das eintrat, was er sah.“
Wieder verformte sich die Umgebung um mich. Eine riesige Halle, an den Wänden lange Banner, lag vor mir. An einem Ende der langen Halle war ein großes Podest. Davor standen abertausende von Menschen, eingehüllt in lange rote Mäntel.
Ein greller Blitz fuhr durch den Raum. Ein hochgewachsener Mann stand am Podest. Er legte seine Kapuze zurück und begann zu sprechen: „Ich bin Arel, jener, den ihr als Ältesten bezeichnet. Ich bin derjenige, der sah. Ich bin der 1. Philosoph.“
Aus einem dunklen Winkel meines Kopfes drang Pandorus Stimme hindurch: „Sie nannten sich „Zirkel der Philosophen“. Niemand von ihnen besaß Fähigkeiten, die mit denen Arels zu vergleichen gewesen wären, sie glaubten lediglich an seine Aussagen. Arel verfiel mit der Zeit in starke Depressionen, da keiner wusste, welche Last er tragen musste. 2 Jahre nach der Gründung des Zirkels im Jahr 204 war es dann soweit: das Unausweichliche geschah.“ Pandorus Stimme verebbte, die Welt um mich herum verwandelte sich in eine brennende Steppe. Ausgebrannte oder zerfallene Häuser standen hier.
„So, du bist also tatsächlich gekommen“, sagte eine traurige, mir vertraute Stimme. Ein Mann im Philosophenmantel trat aus dem zerstörten Gebäude. Es war Arel. Er lächelte.
„Komm mit. Ich werde dir etwas zeigen.“ Ohne, das ich ihm antwortete, griff er meine linke Hand und zog mich. Arel zog mich hinaus aus dieser toten Welt in eine ewige Düsternis. Es gab kein Licht hier, kein Leben.
„Was ist mit dir?“, fragte Arel. Ich sah meine Hände an. Sie schienen sich zu verflüssigen. Ich zerfiel.
„Nein! Warte, geh nicht!“, rief er, seine Stimme wurde immer leiser und irgendwann nahm ich sie gar nicht mehr wahr.
Ich sah nichts. Ich war nichts. Ich bin Nichts.

Download des Intros
http://rapidshare.de/files/17280049/TLJ_Intro-Demo.zip.html



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